Wildkatzen in Deutschlands Wäldern – auch im Schifferstadter Wald

An Katzen mangelt es uns Deutschen nicht. Der Stubentiger gehört zu den beliebtesten Haustieren. Tierheime und Katzenhilfevereine wissen sich oft des Zulaufs der schnurrenden Vierbeiner nicht zu erwehren. So mag denn auch mancher die Stirn runzeln, wenn er von Aktionen zum Erhalt der Wildkatze denkt. Doch bei dieser vom Aussterben bedrohten Tierart handelt es sich nicht um ausgewilderte Hauskatzen, sondern um eine ganz eigenständige Art – die sich übrigens auch in den Waldgebieten um Schifferstadt findet.

Waren Wildkatzen noch bis ins zwanzigste Jahrhundert hinein bei uns wie auch in anderen europäischen Ländern weit verbreitet, so ist ihre Zahl mittlerweile drastisch gesunken. Der BUND schätzt die Gesamtpopulation in Deutschland auf nunmehr maximal 3.000 bis 5.000 Exemplare und hat eine großangelegte Aktion zur Rettung der Wildkatze gestartet. Übrigens sind in der Gemarkung Schifferstadt Wildkatzen nachgewiesen: durch genetisch untersuchte Haarbüschel und den Fund einer überfahrenen Wildkatze – hoffentlich war das nicht die letzte im hiesigen Wald.

Scheu und versteckt zwischen Bäumen
Die kleinen Raubkatzen sind äußerst scheu und können deshalb in der freien Natur kaum beobachtet werden. Wenn sie sich auf ihren nächtlichen Streifzügen fortbewegen, tun sie dies ausschließlich durch den Wald und durch geschützte, bewachsene Gebiete.

Offene Wiesen oder mehr als 200 Meter vom Wald entfernte Felder meiden sie. Das ist auch der Grund, warum die Bestände so zurückgehen: Die Wildkatzen können ihre gewohnten weiträumigen Wanderungen, die auch dem Austausch der Gene und dem Bilden gesunder Gruppen dienen, nicht mehr ungestört durchführen. Die Waldgebiete haben wir weiträumig unterbrochen oder mit vielbefahrenen Straßen durchzogen, die vielen Tieren zum Verhängnis werden.

Grünbrücken: Ein Wandernetz für Wildkatzen und andere Wildtiere schaffen
Hier setzt der BUND an und hat begonnen, ein 20.000 Kilometer langes „Wandernetz“ für Wildkatzen anzulegen. Wälder sollen durch Neupflanzungen verbunden werden, damit die Katzen wieder weiträumig wandern können. Büsche und Totholz auf Lichtungen können für eine ungestörte Aufzucht der Jungen sorgen.

Im Moment sind es vor allem die Gebiete zwischen Pfälzer Wald und Eifel und die zwischen Harz und Thüringer Nationalpark Hainich, in denen die Katzen leben. Der BUND legt dort Korridore an, um den Wechsel der Tiere zwischen verschiedenen Standorten zu ermöglichen und ihre Lebensräume zu vergrößern. In Schifferstadt fordert der BUND den Bau einer Grünbrücke über die Autobahn A 61, die von vier auf sechs Spuren ausgebaut werden soll. Die Grünbrücke würde natürlich nicht nur den Wildkatzen, sondern auch anderen Wildtieren den gefahrlosen Übergang zwischen den durchschnittenen Waldgebieten ermöglichen (vgl. auch die Beiträge im face2face-magazin.de).

In großen Pilotprojekten in Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Thüringen wurden bereits erste Bäume gepflanzt. Auf dem Landkreis Holzminden, in dem sich ein Knotenpunkt verschiedener Wildkatzen-Wanderwege befindet, liegt ein Fokus der Naturschutzorgansation. Mit publikumswirksamen Aktionen und dem Aufzeigen der hiesigen Erfolge will sie die deutsche Bevölkerung für die Brisanz des Themas Wildkatzensterben sensibilisieren. pm

Weiterführende Informationen

Wildkatzen in Rheinland-Pfalz

BUND-Wildkatzen-Projekte

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