Jun

12

2014

Grasmilben (Herbstgrasmilben, Erntemilben) sind unterwegs: Das große Jucken auf acht Beinen…

Abgelegt in Gesundheit

Gartenarbeit, ein harmloser Waldspaziergang, ein Sonnenbad auf dem Rasen am Baggersee oder Blumenpflücken auf einer Wiese: das kann unangenehme Folgen haben: Nicht nur Zecken, auch Grasmilben sind wieder unterwegs. Genauer gesagt die Erntemilben oder Herbstmilben (Neotrombicula autumnalis), wie sie nämlich wissenschaftlich heißen. Ihre Bisse verursachen einen unterträgliches Jucken.

Wer nach einem Aufenthalt im Freien plötzlich zahlreiche Stiche (manchmal bis zu 200) am Körper entdeckt, manche davon in Reihen nebeneinander, und unter grässlichem Juckreiz leidet, der hat vermutlich mit diesen Biestern Bekanntschaft gemacht.

Weil das kürzlich einer Freundin in der Pfalz passiert ist und sie vor lauter Gejucke nicht mehr schlafen konnte, habe ich mal zusammengetragen, was man an Hausmitteln gegen den durch Grasmilbenbefall verursachten Juckreiz beim Menschen so findet.

Denn wenn man zum Arzt geht und der einen Grasmilbenbefall diagnostiziert, bekommt man im Allgemeinen Antihistamine oder Cortison, um den Juckreiz zu dämpfen, aber vielleicht helfen ja dem einen oder der anderen auch etwas sanftere Mittel.

Die Grasmilbe – Verwandte von Zecken und Spinnen

Die Herbst- oder Grasmilben sind mit den Zecken verwandt und gehören mit ihren acht Beinen zu den Spinnentieren, speziell zu den Laufmilben. Nomen est omen: Sie können ganz gut marschieren auf ihren kleinen Beinen.

In einer Doktorarbeit zu den Herbstmilben wurde eine Bewegungsgeschwindigkeit von 100 bis 770 Zentimetern pro Stunde gemessen – das ist für ein Tierchen von nur ca. 0,3 Millimetern im sechsbeinigen Larvenstadium bzw. von bis zu zwei Millimetern im achtbeinigen Pubertäts- oder Erwachsenenstadium ganz schön viel.

Auf ihren Beinchen schleichen sie sich auch an ihre Opfer an, an warmblütige Tiere – und Menschen. Allerdings sind es nicht die erwachsenen Milben, die sich von Körpersäften ernähren wollen, sondern die Larven. Die hocken gern in ganzen hell orangefarbenen Kolonien auf Grashalmen, auf dem Boden oder im Gebüsch.

Spaziert ein Lebewesen vorbei, das ideale Betriebstemperaturen von 30 bis 40° Celsius hat, versuchen die Larven, sich auf dem Wirt niederzulassen zu einem kleinen Festmahl. Der Mensch gerät eher zufällig ins Visier der Herbstgrasmilben – was den Befallenen leider nicht hilft. Tier wie Mensch leiden unter schier unerträglichem Juckreiz an den Bissstellen.

Die Milbenlarven suchen sich zunächst einen angenehmen Ort aus. Darunter verstehen sie warme und feuchte Gegenden wie etwa die Ränder von Socken und Unterwäsche, aber auch die Achselhöhlen, die bei einem Krabbeltempo von mehreren Metern pro Stunde ja nicht wirklich weit vom Boden entfernt sind…

Dann ritzen sie die Haut ihrer Opfer an und spucken Sekrete in die Wunde, die das Verklumpen des Blutes verhindern und gleichzeitig etwas Gewebe auflösen. Das schlürfen sie dann genüsslich ein. Bleiben sie lange genug ungestört, sorgt ein weiterer Bestandteil ihres Sekrets dafür, dass sich ein verhärteter Bisskanal bildet.

Wenn die Herbstgrasmilbenlarven sich auf etwa dreifache Größe vollgefressen haben, lassen sie sich einfach fallen und suchen sich ein hübsches Plätzchen, wo sie sich im Verlauf der nächsten vier bis sechs Wochen in eine so genannte Nymphe verwandeln. Die ist für Warmblüter völlig unschädlich.

Wie lindert man den Juckreiz von Grasmilben-Stichen?

Leider gibt es bislang kein Allheilmittel gegen den kaum auszuhaltenden Juckreiz, das bei jedem wirkt. Aber durch Versuch und Irrtum haben sich diverse Hausmittel und Salben bzw. Medikamente herauskristallisiert, die zumindest erprobenswert sind.

Natürlich gilt auch hier: Immer schön mit Ärztin und Apothekerin oder den männlichen Angehörigen dieser Berufsstände besprechen (oder Verantwortung für sich selbst übernehmen).

Sobald man feststellt, das man offensichtlich Grasmilbenspeise geworden ist, sollte man einige Sofortmaßnahmen treffen:

  • Kleidung des aktuellen Tages und der vergangenen ein bis zwei Tage (samt Socken und Unterwäsche, dort halten sich die Biester besonders gern auf) sofort in die Waschmaschine stecken und gründlich waschen, alternativ für etliche Stunden einfrieren
  • Bettzeug komplett abziehen und waschen, ggf. auch Bettvorleger
  • Duschen, dabei vor allem die befallenen Hautbereiche mit einem Waschlappen gründlich abstreifen, außerdem kann man sich zusätzlich mit Waschwasser abwaschen, das zwei bis drei Tropfen Teebaumöl enthält – das soll die Viecher abtöten. Manche Leute reagieren aber auch empfindlich auf Teebaumöl, also auch hier gilt, eher gering dosieren und erst mal testen, ob man das verträgt oder den Teufel mit dem Beelzebub vertreibt…
  • Wohnung gründlich saugen

Hausmittel gegen das Jucken

Wer auf Cortison verzichten will, kann es mal mit diversen Hausmitteln probieren, den Juckreiz in den Griff zu bekommen und auf ein erträgliches Maß zu dimmen:

  • Stiche unterkühlen mit Hilfe von Eiswürfeln oder Kühlpads (Achtung, nicht zu lange, damit man sich keine Hauterfrierungen zuzieht). Auch Umschläge mit kühlschrankkaltem Speisequark haben schon manchen Juckreiz auf ein erträgliches Maß reduziert.
  • Stiche überwärmen, z. B. indem man mit einem Löffelstiel einen Tropfen geschmolzenes Bienenwachs direkt auf jeden Stich aufträgt. Kühles Wasser bereit halten, damit man nach wenigen Sekunden die Stelle gleich wieder abkühlen kann (Achtung, man sollte sich keine Brandblasen holen!). Mittlerweile gibt es auch elektrische Geräte, die die Stichstelle ein paar Sekunden lang auf rund 50°C erwärmen. Dadurch verändern sich die Proteine aus dem Milbensekret und es hört auf zu jucken. Zumindest bei Schnakenstichen kann ich diesen juckreizstillenden Effekt aus eigener Erfahrung bestätigen.
  • Homöopathische Mittel: Bei Juckreiz durch Schnakenstiche ist z. B. Ledum D3 sehr hilfreich, vielleicht nutzt es bei dem ein oder anderen auch gegen den Milbenjuckreiz.

Symptome der Milben-Bisse

Wie erkennt man die Stiche der Herbstgrasmilbe? Man sagt, es würde bis zu zwei Tage dauern, bis man den ersten Juckreiz verspürt; der kann dann aber bis zu 14 Tage anhalten, auch wenn die Tierchen den Wirt nach spätestens vier bis fünf Tagen freiweillig verlassen, weil sie genug gefuttert haben. Besagte Freundin hat aber schon nach zwei oder drei Stunden mörderischen Juckreiz gespürt. Ansonsten entwickeln sich die Stiche oder Bisse einfach zu rötlichen Pusteln mit kleinen Wasserbläschen.

Kann man sich vor Grasmilben schützen?

Getreu dem Motto ‚vorbeugen ist besser als heilen’ haben sich schon viele Leute Gedanken gemacht, wie man sich vor dem Milbenübel schützen kann – leider gibt’s keine definitiven Erkenntnisse, da das, was bei dem einen hilft, der anderen gar nichts nutzt.

Aber immerhin gibt es ein paar für Mensch und Umwelt relativ unschädliche Mittel, die dem einen oder der anderen geholfen haben – hier hilft nur der Selbstversuch.

Befallene Gebiete meiden ist natürlich ein heißer Tipp, wenn sich’s um einen bestimmten Waldweg handelt (und man schon weiß, dass es dort Grasmilben gibt) – schwieriger, wenn es sich um den eigenen Garten handelt. Dazu gleich mehr.

Am Körper haben sich, wie die zahlreichen Kommentare im Gärtnerblog zeigen, beispielsweise Kokosöl mit hohem Laurinsäure-Gehalt (mindestens 50 %), kombiniert mit Viticks®-Cool Plus Spray bewährt. Alternativ dazu haben sich manche Leute die Beine dick mit einer gewöhnlichen Hautcreme eingesalbt, auf der die Milben kleben bleiben und vermutlich ersticken.

Bei Temperaturen über 30° Celsius sind andere Schutzmaßnahmen wie beispielsweise hohe Gummistiefel oder über lange Hosen gezogene Socken eher weniger beliebt. Was sich allerdings empfiehlt ist, Gartenklamotten inklusive Unterwäsche möglichst schon vor dem Betreten der Wohnung auszuziehen (sofern das möglich ist, ohne öffentliches Ärgernis zu erregen…) und die Gartenkleidung gar nicht mit in die Wohnung zu nehmen.

Punkt zwei ist, sich nach jedem Gartengang gründlich zu duschen und dabei mit einem Waschlappen vor allem die Beine und Arme abzurubbeln, damit etwaige Besucher gleich mit dem Wasser abgespült werden – und das am besten, bevor sie zubeißen konnten.

Wie befreit man den Garten von Grasmilben?

Um herauszufinden, ob man überhaupt Grasmilben im Garten hat, macht man den so genannten ‚Kacheltest’: Man legt weiße Kacheln an verschiedenen Orten im Garten aus und schaut nach einer Viertelstunde, ob sich darauf die roten kleinen Biester versammelt haben.Weiße Karton- oder Stoffstücke funktionieren ebenfalls – die Grasmilben stehen auf weiß. Dieser Test eignet sich übrigens auch, um festzustellen, ob die Wohnung vermilbt ist.

Im Garten scheint eine Branntweinessig-Spritzkur zumindest Erleichterung zu bringen – die Grasmilben bevorzugen angeblich eher basische als saure Umgebungen: Man mischt einen Teil Branntweinessig (billigste Sorte reicht aus) mit drei bis fünf Teilen Wasser und versprüht das regelmäßig im Garten. Die Mischung kann allerdings dazu führen, dass der Rasen leidet, aber das ist sicher das geringere Problem.

Übrigens sollte man auch Beete nicht vergessen: Arne Schöler hat in seiner Dissertation aus dem Jahr 2003 darauf hingewiesen, dass sich auf Beeten teils sogar höhere Milbenkonzentrationen fanden als im Gras.

Nach ein bis zwei Sprühtagen prüft man mit dem Kacheltest die Milbenpopulation. Wo sich noch viele Milben zeigen, wieder sprühen. Da die Viecher auch aus anderen Gärten einwandern können oder von Tieren eingeschleppt werden, kommt man um regelmäßige Essigkuren für den Garten wohl kaum herum, der Kacheltest zeigt, wann es wieder so weit ist.

Wer keine Haustiere hat, die darunter leiden würden, kann auch eine Spritzkur mit Aromaöl-Wasser versuchen: Dazu ein reines ätherisches Öl (kein Parfümöl) wie Teebaumöl, Lavendelöl oder Pfefferminzöl mit etwas Salatöl mischen und mit Wasser gründlich verschütteln, dann schnell im Garten versprühen.

Das Öl eines indischen Baumes, Neemöl oder Niemöl, soll ebenfalls helfen. Es enthält einen Stoff, der die Häutung von Insekten behindert und z. B. gewöhnlichen Milben in Bett oder Matratze schnell den Garaus macht.

Quellen

Helge Kampen: Trombiculiden und Trombidiose. In: Z. Allg. Med. 2000; 76: 392–396.

Arne Schöler: Untersuchungen zur Biologie und Ökologie der Herbstmilbe Neotrombicula autumnalis (Acari: Trombiculidae) im Hinblick auf Bekämpfungsmöglichkeiten sowie zu ihrer Bedeutung als Vektor der Borreliose. Dissertation Bonn 2003

Neue Informationen (Juli 2012)
Die Gartenzeitung empfiehlt, sich mit ätherischen Ölen wie Zedernholz oder Eukalyptus einzureiben, bevor man in den Garten geht.

 

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